Tanzen Sie noch auf allen Hochzeiten…

…oder genießen Sie schon?

Sie fragen sich jetzt vielleicht, was dieser Titel bedeuten soll.

Ganz einfach: Ich ertappe mich immer wieder dabei, dass ich mir ein köstliches Maronieis gönne (meine Lieblingseissorte – mmmmhhh…) . An sich ist das ja schön. Aber: Den ersten Bissen schlinge ich gierig hinunter. Den kurzen kalten Impuls auf der Zunge, die Süße und im Nachgang das ein wenig Nussige registriere ich kurz. Dann schon der nächste mundvoll Eis… und natürlich alles im Gehen zum nächsten Ziel. In gefühlten zwei Minuten ist das Eis weg. Ist das Genuss? Kann ich hier behaupten, dass ich mir ein Eis gegönnt habe und ihm die volle Aufmerksamkeit gewidmet habe?

Genuss und Maßlosigkeit sind zwei paar Schuhe

Vielleicht merken Sie schon, worauf ich hinaus will: Es gibt einen Unterschied zwischen Genuss und gedankenlosen Konsum oder Maßlosigkeit. Genuss macht unser Leben reich und schön, kann unsere Achtsamkeit unsere Sinnlichkeit fördern. Gedankenloser Konsum stopft Löcher – Löcher unseres Mangels. Ich fühle mich gestresst, nicht gut – was mache ich? Ich öffne eine Tafel Schokolade und stopfe diese in mich rein. Eine reine Ersatzhandlung.

Hätte ich mich in diesem Augenblick des seelischen Mangels gefragt, was ich jetzt wirklich brauche, wäre es vielleicht nicht die Tafel Schokolade gewesen, sondern das teilnehmende Zuhören eines lieben Freundes oder die tröstenden Worte meiner Freundin oder aber auch einfach ein bisschen Abstand und Durchatmen. Aber es geht natürlich schneller, die Lade zu öffnen und in die Schokolade zu beißen. In diesem Fall ist wahrscheinlich weniger Genuss dabei, sondern es ist nur eine schnelle Flucht in eine augenscheinliche Befriedigung.

Je weniger bewusst wir Dinge ausüben, desto weniger befriedigen sie uns.

Genuss bedeutet im Hier und Jetzt sein und auch nicht immer mehr vom Gleichen. Abwechslung und Verzicht sind ebenso wichtig für das Genießen können, wie die Achtsamkeit. Denn wer schätzt schon und genießt es, jeden Tag 5 Kugeln Maronieis zu essen?

Genuss kann über unsere fünf Sinnen wahrgenommen werden:

Den Hörsinn, den Sehsinn, den Geschmackssinn, den Tastsinn und den Geruchssinn

Wichtig beim Genießen: Lassen Sie das „Müssen“ außen vor und ersetzen Sie es durch ein „Dürfen“: „Ich darf jetzt entspannen und nur hier sein. Ich darf mir das gönnen…“ und dann bleiben Sie im Augenblick und nehmen wahr: Was fühlen Sie? Was löst das bei Ihnen aus? Erinnert es Sie an etwas? Wie ist das Gefühl nach dem Genuss?

Was Genuss bringt

Genießen zu können ist eine große Ressource und bringt Sie auch gut durch stressige Zeiten. Denn Ihr Körper und Ihr Geist erholen sich dabei und tanken Energie. Genuss ist pure Lebensfreude. Bewusster Genuss ist eine echte Prävention für Burn-Out und im Augenblick des richtigen Genießens sind Sie ganz bei sich, spüren sich und Ihren Körper.

Verordnen Sie sich mal eine Woche lang Genusstraining!

Widmen Sie sich jeden Tag einem anderen Sinn und konzentrieren Sie sich darauf, voll und ganz dabei zu bleiben.

  • So ist der Tastsinn zum Beispiel beim Duschen gefordert: Wie fühlt sich das warme Wasser auf der Haut an? Wie der Wasserstrahl aus der Dusche? Dann das weiche, warme Handtuch und die Körperlotion, die Sie langsam in die Haut einmassieren? Gibt es Stellen Ihres Körpers, die sehr empfindlich sind? Dann die Kleidung – wie fühlt sich diese an? Gibt es Kleidungsstücke, die Sie besonders gerne tragen, weil sie so weich ist?
  • Beim Geruchssinn können Sie unterschiedliche Gerüche testen und sich beobachten, ob diese angenehm oder unangenehme Emotionen auslösen. Der Geruch von Gebackenen oder der Geruch von Lavendel – komplett unterschiedlich. Was löst das in Ihnen aus? Bleiben Sie im Augenblick, schließen Sie die Augen und achten auf Ihre Empfindungen. Oder zerreiben Sie Kräuter zwischen Ihren Fingern und riechen daran.
  • Was hören Sie gerade? Welche Musik löst was in Ihnen aus? Schließen Sie die Augen und achten auf die Geräuschkulisse um Sie herum. Dann machen Sie dasselbe in einem Park oder in einem Wald. Was hören Sie?

Ihnen fallen sicher auch noch Übungen für den Sehsinn und den Geschmackssinn ein. So können Sie eine Woche lang jeden Ihrer Sinne beglücken. Wichtig ist lediglich, aufmerksam zu sein und bewusst. Nicht durch den Tag hetzen wie sonst so oft, sondern immer wieder innehalten.

Erinnerungsstützen setzen

Wenn ich einen Tag lang so etwas vorhabe, trage ich immer ein Erinnerungsstück mit mir, sei es ein besonderer Ring oder einen kleinen Stein in meiner Jeans. Immer, wenn ich den Stein oder das Schmuckstück berühre, fällt mir meine Intention ein, heute besonders zu genießen.

Vielleicht schreiben Sie Ihre Eindrücke in Ihr Selbstliebetagebuch (Sie erinnern sich an meinen ersten Blog-Beitrag zum Thema Selbstliebe…)… Diese Eintragungen können Ihnen auch zu einem späteren Zeitpunkt eine gute Hilfestellung sein.

Genussvolle Tage wünsche ich Ihnen!

Blogbild Eva KeimelmayrEva Keimelmayr