Der Umgang mit der Leere.

Warum unsere Ziele vermeintlich so wichtig für uns sind.

Mit Schrecken hab ich festgestellt, dass ich heuer nicht mehr oft mit Urlaub rechnen kann. Ich habe schon eine lange, sehr schöne Urlaubszeit genossen. So bestimmt wieder der Alltag mein Leben, meine Ziele, Wünsche und Träume.

Das ist schön, wenn man Wünsche, Träume und Ziele hat. Aber wie ich schon oft geschrieben habe, lenkt das auch sehr stark vom Jetzt ab, vom Augenblick. Und auf ein Mal ist das Jahr vorbei und Silvester steht vor der Tür. Wo ist sie nur geblieben, die Zeit? Bei zahllosen Aktivitäten, Gedanken, Sorgen, die unseren Tag ausfüllen.

Hat das alles aber wirklich Bedeutung ?

Leistung, Ziele und Selbstmarketing ist Alles

Wir leben in einer sehr leistungs- und zielorientierten Gesellschaft. Sogar in der Freizeit ist Leistung wichtig… Und diese Hetze und Schnelligkeit, mit der das Leben durch die Welt rast.

Kommen Ihnen bei Fragen wie. „Sag, wohin fahrst du auf Urlaub?“, „Was hast du am Wochenende gemacht?“ bei der Antwort „ich bleib mal zu Hause.“ oder „Gar nichts.“ schlechte Gefühle?

Ich für mich habe beobachtet, dass der „Selbstoptimierungs- und Selbstmarketingwahn“ längst nicht hinter den Türen des Büros halt macht. Es ist ein Phänomen unserer Zeit und unserer Gesellschaft.

Und in gewisser Weise wollen wir das auch so

Und wir machen nur zu gerne mit – ich kann das zumindest von mir sagen. Denn das ist ja bequem, da muss ich mich nicht mit mir, meinen Gedanken und meinen Gefühlen beschäftigen, die da kommen, wenn ich mal gar nichts mache. Mit dem, was in Wirklichkeit da ist, wenn alles weg ist. Das macht Angst. Was ist, wenn alles nicht mehr ist, wenn all das, was wir geschaffen haben, wenn all die äußeren Ziele, die wir erreicht haben, nicht mehr sind??

Wie geht es Ihnen mit dieser Frage? Was ist dann noch wirklich wichtig?

Leere im Alltag

Es gibt viele Situationen, in welchem uns im Alltag Leere begegnet: Stille, Langeweile, Einsamkeit, die Weite des Himmels, leere Räume.

Und es gibt viele Fluchten, die wir entwickelt haben, um uns der Leere nicht stellen zu müssen:

  • Essen, obwohl wir keinen Hunger haben
  • Das Radio aufdrehen, oder Fernsehen
  • Einkaufen
  • Überall dabei sein wollen
  • Die Wohnung ständig neu dekorieren
  • Ständig am Sprung sein

Ihnen fallen sicher auch einige Ablenkungen ein, die unser Leben bietet.

Ich habe einmal etwas Spannendes dazu gelesen: „Geschäftigkeit ist eine Maske der Angst“. Und Angst macht uns bekanntlich unfrei – wir müssen ständig etwas tun, erreichen, was auch immer, um uns wohl zu fühlen, um die Angst zu überdecken. In letzter Konsequenz kann dieses Ausweichenwollen krank machen.

Was kann ich aber tun, um mich der Leere zu stellen?

  • Ich kann die Stille wahrnehmen, der Versuchung widerstehen, immer sofort Musik aufzudrehen, wenn ich in die stille Wohnung nach Hause komme. Probieren Sie es aus: Wie fühlt sich diese Stille an? Wie nehmen Sie sie wahr? Wie wirkt dann ein Geräusch, welches plötzlich auftaucht? Und wie ist die Stille danach? Wieder so wie vorher oder hat sie sich verändert?
  • Eine weitere gute Übung ist der Umgang mit dem Alleinsein. Haben Sie den Impuls, gleich jemanden anrufen zu müssen? Was passiert, wenn Sie diesem Impuls widerstehen?
  • Und ja: Eine perfekte Übung für mich: Wenn mir mal langweilig ist (und ich muss gestehen, dass das für mich ein schlimmes Gefühl ist), dann strebe ich das nächste Mal nicht gleich nach Ablenkung. Ich werde versuchen, es zu durchleben, zu beobachten, welche Gefühle es auslöst.
  • Tja und natürlich Bewusstsein und Achtsamkeit: Gehen Sie bewusst durch einen Raum und fühlen den leeren Raum um sich herum. Also, nicht nur auf ein Ziel zusteuern, sondern ganz bewusst wahrnehmen, was einen umgibt.

Glück und Unglück hängen also sehr stark damit zusammen, ob wir mit Leere umgehen können, ob wir sie als Bereicherung oder Bedrohung sehen. Möge also die Leere unser Freund werden!

Blogbild Eva KeimelmayrEva Keimelmayr