Kennen Sie Ihre Grenzen?

Und können Sie diese auch zeigen?

In meinem letzten Artikel ging es um das Thema „Nein“ sagen und um Strategien, dies zu kommunizieren, wenn möglich mit gutem Gewissen. Aber Grenzen kennen und zeigen beinhaltet viel mehr. Da geht es zum einen mal um ein Selbstverständnis insofern, dass ich mich selbst kenne und auch verstehe. Hier ist schon ein Maß an Selbsterkenntnis notwendig.

Wie fühlt sich ein Grenzübertritt an?

Haben Sie schon mal darauf geachtet, wie es Ihnen geht, wenn Ihnen jemand ganz nah auf die Pelle rückt – vielleicht auch noch bei jedem Satz Körperkontakt sucht? Das ist in manchen Kulturen ganz normal. Auch wenn wir von unserer Kultur geprägt werden, ist das Empfinden dabei trotzdem von Person zu Person verschieden. Achten Sie mal ganz genau auf Ihre Gefühle dabei.

Wo ist Ihre Komfortzone – ihr Wohlfühlraum? Wieviel Platz benötigen Sie, um sich wohlzufühlen. Ich habe mal eine interessante Übung zu diesem Thema gemacht – setzen Sie sich auf einen Sessel und grenzen mit einer Schnur diesen Bereich ab – ist er eher klein und nur rund um den Sessel oder nimmt dieser Bereich viel Platz ein? Und – wie fühlt es sich an, wenn jemand diesen Bereich betritt? Welche Gefühle löst das in Ihnen aus?

Gehen Sie oft an Ihre Grenzen?

Aber Grenzen sind noch viel mehr – man denke auch an den Satz: Ich gehe an meine Grenzen – was ist, wenn ich darüber hinaus gehe? Höre ich dann auf zu existieren? Ist es ein Spiel mit dem Feuer, wenn ich sie überschreite und kenne ich diese Grenze überhaupt? Ich muss dabei immer an einen Bergsteiger denken, der sich einen sehr hohen Berg zumutet. Er darf sich nicht überfordern, da er in hohen Höhen nicht mehr regeneriert. Er muss sich sehr gut kennen und wissen, was ist möglich, was nicht, denn ein „über die Grenzen gehen“ wäre in diesem Fall vielleicht tödlich.

Der Mittelweg ist das optimale Maß!

Ja, es ist schön sich zu fordern, auszutesten, zu schauen, was geht – sonst wäre das Leben sehr monoton, sehr gleichlaufend. Unser Entwicklungspotenzial wäre auf einem sehr geringen Level angesetzt. Da heißt es auch mal, die Komfortzone zu verlassen. Aber wie immer im Leben ist das Mittelmaß die große Herausforderung: Ein Zuviel mündet in Gefahr, vielleicht sogar in Burn-out; Ein Zuwenig in Bore out, in Langeweile und in einem monotonen Leben.

Was aber wenn jemand anderer seine Grenzen übertritt?

Es ist die eigene (wenn auch manchmal nicht bewusste) Entscheidung seine eigenen Grenzen zu übertreten – oft werden sie aber auch von jemand anderen verletzt. Was also tun in diesem Fall?

  • Zuerst ist da die Klarheit über sich selbst, wissen was man will und braucht
  • Dann dies auch fühlen und verinnerlichen: Kennt man seine Grenzen, ist man sich derer bewusst, und möchte auch für sich sorgen (hier sind wir wieder beim Thema Selbstliebe), strahlt man das aus. Grenzverletzungen werden somit seltener.
  • Treffen Sie am Morgen einmal die Entscheidung: Meine Grenzen bleiben unverletzt. Und gehen Sie mit diesem Gefühl in den Tag. Beobachten Sie und schreiben in Ihr Tagebuch, was passiert ist und welche Erfahrungen Sie gemacht haben.
  • Tragen Sie die eingangs erwähnte Klarheit auch nach außen, im Bewusstsein, wer Sie sind und was Sie möchten. Tun Sie dies ganz klar und deutlich in der Kommunikation mit dem Umfeld, den Kollegen, der Familie. Hier gehört auch das „Neinsagen“ aus meinem letzten Blogartikel dazu.

Und zu guter Letzt das Thema Regeln…

Welche Regeln gibt es bei Ihnen gegenüber anderen? Welche Regeln fühlen Sie, welche haben Sie sich im Laufe Ihres Lebens angeeignet? Ein klassisches Beispiel: „Das tut man nicht“. Solche Regeln kann man auch hinterfragen; Vor allem, wenn sie in seinem Leben sehr hinderlich sind, man ständig verletzt wird oder das Gefühl hat, dass seine Grenzen übertreten werden. Vielleicht ist auch die Selbstliebe oder das Selbstwertgefühl nicht stark genug ausgeprägt, vor allem wenn man ständig das Gefühl hat, die anderen machen was sie wollen – ohne dem eigenen Einverständnis.

Und hier schließt sich der Kreis: Aller Anfang ist das Kennenlernen von einem Selbst, von seinen Bedürfnissen und der Erkenntnis „Wie ticke ich?“ und „Warum?“. Das kann man oft leichter mit Hilfe eines Gegenübers herausfinden, der nicht wertet und auch keine Ratschläge gibt – denn, wie auch schon einmal in einem meiner Blogartikel erläutert: „Ratschläge sind Schläge“

Wollen Sie mehr Erkenntnis über sich selbst gewinnen? Dann unterstütze ich Sie gerne dabei! In diesem Sinne wünsche ich Ihnen viel Klarheit!

Blogbild Eva KeimelmayrEva Keimelmayr