Selbstliebe heißt auch, Nein sagen können

Kennen Sie das? Es türmt sich auf Ihrem Schreibtisch. Sie haben das Gefühl mit 300 km/h durch die Gegend zu brausen und dann kommt Ihr Lieblingskollege und bittet Sie um etwas. Und Sie versuchen ihm trotzdem zu helfen. Oder Ihre Freundin, die zum x-ten Mal mit Ihnen über Ihren Liebeskummer sprechen möchte, obwohl es Ihnen selbst nicht so berauschend geht.

Schaffen Sie es, in solchen Momenten „Nein“ zu sagen oder Ihrer Freundin mitzuteilen, dass Sie jetzt selbst in den Arm genommen werden wollen?

Nein sagen als wichtiger Schritt zur Selbstliebe

Stellen Sie sich einen Mistkübel vor, in dem alle immer nur reinwerfen – irgendwann geht er über, oder? Und er muss zwischendurch immer wieder geleert werden. Sonst hat er keine Kapazitäten mehr. Und genau so ist es auch bei uns – wenn wir gut gelaunt sind, im Reinen mit uns selbst, fällt es uns leichter, uns anderen und deren Probleme etc. anzunehmen. Es tut auch gut, gebraucht zu werden und etwas zum Wohl beizutragen.

Aber das geht nur, wenn Kapazitäten da sind, wenn wir uns zwischendurch immer wieder aufbauen, auf uns hören, mit uns selbst verbunden sind. Wir brauchen regelmäßige Auszeiten, Zeiten in denen wir auftanken, in denen auch wir gehalten werden. Nur dann können wir geben.

Und das heißt, wir müssen „Nein“ sagen. Nein, wenn wir merken, dass es uns nicht gut geht, dass uns der Kontakt zur Zeit nicht gut tut, dass wir komplett überfordert sind, etc. Warum fällt uns das aber so schwer?

Wir wollen geliebt werden

Weil wir Angst vor dem Urteil des Gegenübers haben, weil wir geliebt werden wollen. Was ist aber die Essenz aus meinen BLOG-Artikeln? Liebe kommt aus einem Selbst – nicht vom Umfeld sondern Liebe ist in uns selbst. Lieben wir uns selbst, reagiert auch das Außen mit Liebe auf uns. Ähnlich wie ein Spiegel reflektiert uns unsere Umwelt. Das, was im Außen passiert, ist sozusagen ein Spiegelbild von unserem Inneren.

Ich weiß, das ist nicht leicht zu verstehen und manchmal auch kein geliebter Gedanke (auch ich schiebe Dinge manchmal von mir und will keine Verantwortung dafür übernehmen – ist doch praktisch, wenn ich sagen kann „xyz“ ist Schuld).

Aber andererseits birgt diese Tatsache einen unschätzbaren Wert für uns: Wir erhalten Hinweise auf unsere offenen noch zu lösenden Themen, indem wir beobachten, was sich in unserem Umfeld so tut, was das in uns auslöst und wie wir darauf reagieren. Dies ist ein sehr effektiver Weg hin zu uns selbst.

Was aber ist konkret zu tun, damit wir nicht wieder in die „Ja“-Sager Falle tappen?

  • Erbeten Sie sich zuerst mal Bedenkzeit.
  • Denn was ganz wichtig ist: Erkennen Sie die Ursache, warum Sie den Impuls haben, Ja zu sagen, Sie aber innerlich ein „Nein“ hören. Ist es die Angst vor Streit, vor Zurückweisung, vor dem „Schuldigfühlen“? Versuchen wir das Bedürfnis, gebraucht zu werden, zu befriedigen? Oder fallen wir auf die „Manipulationsversuche“ vom Gegenüber rein – „Komm, sei doch nicht so herzlos.“ Oder „Du machst das immer so toll, so gut wie du kann das niemand…“

Was verlieren Sie und was gewinnen Sie?

  • Machen Sie sich deutlich, was das Schlimmste wäre, was passieren könnte, wenn sie in diesem Fall „Nein“ sagen. Ja, es kann sein, dass Sie nicht mehr „everybodys darling“ sind, vielleicht stoßen Sie auf mehr Ablehnung, als es der Fall wäre, wenn Sie immer „Ja“ sagen, vielleicht….
  • Andererseits gewinnen Sie Selbstachtung, Sie sind mutig und stehen zu sich selbst, denn Sie tun das, was Sie wirklich wollen. Wägen Sie dies miteinander ab.

Geben Sie sich einen Erlauber!

Vielleicht brauchen Sie auch einen Erlauber – in schweren Fällen sogar schriftlich: „Ich erlaube mir selbst, „Nein“ zu sagen. Es ist gut so, denn ich stehe zu mir selbst. Ich bin mir ein guter Freund, denn genau das würde ich auch meinem besten Freund raten…“

Alternativen suchen bzw. nett „Nein“ sagen

Vielleicht gibt es aber auch eine Alternative, dann machen Sie Ihrem Gegenüber einen Gegenvorschlag: „Heute geht es bei mir ganz schlecht, vielleicht schaut es morgen anders aus.“

Dann hängt es auch davon ab, wie man sein „Nein“ formuliert. Auch hier gibt es nettere Arten und Formulierungen, die vielleicht rüder erscheinen. Man kann mit Humor „Nein“ sagen, Verständnis zeigen, sein Nein begründen und sich für das Vertrauen bedanken.

Und ganz wichtig: Tun Sie es mit der entsprechenden selbstbewussten Haltung – Sie werden sehen: Dann geht es viel einfacher.

 

Blogbild Eva KeimelmayrEva Keimelmayr