Aus meiner sehr persönlichen Erfahrung möchte ich heute einen Blogbeitrag zum Thema „Loslassen“ verfassen.

Vor ca. einem Jahr kam mein Sohn, damals 16 Jahre alt, zu mir, um mich mit der Frage zu konfrontieren:

„Mama, ich möchte ein Auslandjahr machen? Am liebsten in den USA, weil ich dort auch meinen Lieblingssport ausüben kann!“

Zu Beginn dachte ich mir, er hat halt „wieder mal so eine Idee!“ und hab diese Aussage wieder verdrängt.

Sie kam aber wieder, und wie J

Er hat seinen österreichischen Coach inkl. Seinen Klassenlehrer befragt, alle haben ihn dahingehend bestärkt es zu tun. Daraufhin haben wir uns zusammengesetzt und einen Plan erstellt.

Der Weg, bis er dann tatsächlich abreiste, war ein langer, nicht ganz einfacher, weil sehr viele Dinge zu tun waren. Es musste ein Visum beantragt werden, die Vereinigung die ihn drüben auch betreute hatte viiiiele Fragen. Wir fanden eine sehr nette Familie in Tennessee und damit wurde der Flug gebucht.

Soweit so gut. In dieser ganzen Zeit war so viel „Kram“ zu erledigen, sodass ich als Mutter keine Zeit hatte mich tatsächlich auf dieses erste „loslassen“ einzulassen.

Die letzten zwei Wochen vor seiner Abreise waren mit viel Stress und Druck verbunden. Die Nervosität wuchs, die Anspannung auch.  Der Tag des Abfluges war dann recht undramatisch. Bis ich ihn sicher in den Händen seiner Host-Family wusste war ich in Wien sehr angespannt.

Dann war er weg und ich hier……er war mittlerweile 17 Jahre alt. Langsam realisierte ich, dass er nicht mehr hier war. Ein Jahr erschien mir vorerst unendlich lang.

Meine Gefühle schwankten zwischen Angst, Freude, Stolz und Selbstmitleid. Ich habe mich abgelenkt durch Arbeit. Zuhause war es plötzlich so ruhig und leer, ich habe versucht, die positiven Seiten daraus zu ziehen. Meine Befürchtung sehr traurig zu werden wenn er weg ist hat sich zum Glück nicht bewahrheitet.

Ich glaube durch die Konfrontation mit allen Gefühlen die ich hatte. Viele Gespräche mit anderen Müttern, Freunden und auch sicher die Ablenkung durch mehr Arbeit, bzw. auch mehr Freizeitaktivitäten waren sehr hilfreich.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass im Vorfeld wieder einmal viel schlimmere Befürchtungen vorhanden waren, als letztendlich dann tatsächlich eintrafen. Ich habe alles zugelassen, jede Träne geweint, aber mich auch über die neue Freiheit für mich freuen können. Alles in allem, war es für uns beide – Mutter und Sohn – eine tolle Erfahrung.

Aus beruflicher Sicht habe ich hiermit ein recht häufiges, schwieriges Thema zu bewältigen gehabt.

Die Ablösung der Kinder vom Elternhaus. Eine gute Metapher dafür finde ich:

Zwischen Mutter und Kind besteht von Geburt an ein Band (Synonym für die notwendige Beziehung). Wenn sich das Kind nun löst und das Band durchschneidet, müssen beide stehen bleiben können ohne zu schwanken oder im schlimmsten Fall sogar zu fallen.

Das Band ist zu Beginn natürlich recht straff gespannt und auch nur kurz, mit den Jahren wird es länger, poröser und elastischer. Bis es nicht mehr gebraucht wird und durchtrennt werden kann.